Unbewaffnete in Braunen Khakiuniformen

Überfahrt über den Großen Belt, die Stationierung der Einheiten in den Landesteilen und die Kindersoldaten

Von Søren Peder Sørensen
Übersetzung aus dem Dänischen: Christine Loch

Die Ungarn waren in diesen Wochen im Frühjahr 1945 ständig auf Reisen zwischen den Landesteilen, und viele erlebten mehr als einmal die Überfahrt über den Großen Belt. Jens Otto Krag, dem späteren Staatsminister, fielen sie an einem Sonntag im April während einer Überfahrt von Fünen nach Seeland auf. In sein Erinnerungsbuch schrieb er: „Am nächsten Tag passierten wir auf dem Großen Belt eine entgegenkommende Fähre voller ungarischer Soldaten, unbewaffnet, in braunen Khakiuniformen, jeder mit einer Decke über den Schultern. Es war unmöglich, mit ihnen zu kommunizieren, aber ich wette, sie waren auch nicht deutschfreundlich.” (1)

Kindersoldat der Leventer-Bewegung in Jytland, Dänemark 1945
Kindersoldat der Leventer-Bewegung in Jytland, Dänemark 1945

Die khakifarbenen Uniformen und die Schulterdecken waren ein ganz charakteristisches Merkmal. Hinzu kam die Feldmütze, die vorne hoch war und mit Klappen versehen war, die mit zwei Knöpfen befestigt waren. Unteroffiziere und Mannschaft trugen langen Khakihosen und kurze Stiefel oder kräftige Schuhe mit Wickelgamaschen. Aus Fotos geht hervor, dass Offiziere oder jedenfalls einige von ihnen Reithosen und schwarze Reitstiefel sowie schwarze Handschuhe trugen. Die Dienstgradabzeichen befanden sich am Kragenspiegel der Uniform, bei Offizieren außerdem noch am Ärmelaufschlag des Mantels und vorne auf der Feldmütze.

Prinzipiell unterschieden sich die ungarischen Einheiten von anderen ausländischen Soldaten in deutschem Dienst dadurch, dass sie ein nationales Heer waren. Sie traten in eigenen Uniformen und unter eigenem Kommando auf, wenn auch als Teil der deutschen Divisionen. In Dänemark unterstanden sie der 325. Infanteriedivision (Nordjütland), der 328. Infanteriedivision (Seeland), der 160. Infanteriedivision (Südjütland) und der 166. Infanteriedivision (Mittel- und Westjütland). Außerdem waren das ungarische Bataillon in Thy und eine Artillerieabteilung in Lemvig der russischen Brigade 599 unterstellt, die aus einem kaukasischen Regiment mit Einheiten aus Georgien, Nordkaukasien und der Aserbaidschanischen Sowjetrepublik bestand. (2)

Wenn man sämtliche Informationen über das ungarische Heer in Dänemark zusammensetzt, dann ergibt sich im Frühjahr 1945 folgendes Bild: drei Regimenter, 12 Bataillone mit 41 Kompanien sowie zwei Artillerieabteilungen mit vier Batterien. Auf dieser Grundlage ist zu vermuten, dass die gesamte Einheit einschließlich Zivilpersonen aus 12.000 bis 15.000 Personen bestand, davon 10.000 in Jütland und 5.000 auf den Inseln.

Eine nähere Untersuchung der Standorte zeigt, dass die ungarische Stationierung so gut wie landesweit war. In 12 der insgesamt 14 Landkreise und in mehr als 50 der insgesamt 271 Gemeinden des Landes hielten sich ungarische Einheiten auf. (3) Allerdings nicht gleichzeitig. Es war typisch, dass die Soldaten hin und her verlegt wurden, sowohl innerhalb der Ortsbereiche als auch zwischen den Landesteilen.

„Langsam wird mir klar, dass diese ewige Wanderung unser Schicksal geworden ist“, schrieb ein niedergeschlagener Zoltán Csákány vom 4. Funkerbataillon am 6. Februar in Herning in sein Tagebuch, als er von der Weiterreise erfuhr. Es war nichts Ungewöhnliches, dass sich Einheiten wie die von Zoltán Csákány nur wenige Tage an einem Ort aufhielten, bevor sie weitergeschickt wurden. Den längsten Aufenthalt hatte das 6. Bataillon des 93. Ausbildungsregiments (93/VI), das vom 2. Februar bis zum 18. Mai 1945 ununterbrochen im Lager Høvelte in Nord-Seeland stationiert war.

Diese konstanten Verlegungen sah man vor allem auf Seeland, das Ende Januar 1945 einen starken Zustrom von Einheiten des 93. Regiments verzeichnete. In den ersten Wochen hielten sie sich u.a. in Næstved und Vordingborg auf, bevor sie weiter in die Gegend von Hvalsø westlich von Roskilde und nach Odsherred verlegt wurden. Von dort aus ging es nur wenige Wochen später weiter in die Gegend von Sorø, wo sie sich zum Zeitpunkt der deutschen Kapitulation aufhielten. Ein Bataillon wurde von Seeland nach Fünen beordert, von wo aus zwei Kompanien wiederum nach Bornholm verlegt wurden. In Jütland kam es in den letzten Kriegswochen zu den umfassendsten Verlegungen, als die Deutschen mehrere ungarische Einheiten von der Westküste zu Stellungen um Agerskov in Südjütland beorderten, wo sie an er Verstärkung der deutschen Verteidigungslinie Kriemhild-Stellung, die sich von Haderslev nach Ribe erstreckte, mitarbeiten sollten.

Diese Truppenverlegungen sollten den ungarischen Auslandseinsatz und die Meinung der Dänen darüber in hohem Maße beeinflussen. Es gab Regionen, in denen die Bevölkerung nie erfuhr, dass hier Ungarn stationiert waren, während man an anderen Orten trotz der kurzen Dauer des Aufenthalts Kontakte knüpfen konnte, die sich später zu Freundschaften entwickelten.

Charakteristisch für die ungarischen Einheiten waren die vielen vertretenen Altersgruppen. Der größte Teil der Männer war wohl um die 20, aber es gab auch viele mittleren Alters sowie einige ganz junge Burschen.

Im deutschen Heer gab es in den letzten Kriegsmonaten „Kindersoldaten“, die man häufig als kleine Soldaten in allzu großen Uniformen sah. Im ungarischen Heer sollten sie ihre eigene tragische Geschichte erdulden. Seit 1938 bestimmte die ungarische Gesetzgebung, dass alle Jungen von 12 bis 18 Jahren Mitglieder der paramilitärischen Jugendorganisation Leventer sein mussten. In dieser Organisation erhielten sie jede Woche ein vierstündiges militärisches Training. Bei der Machtübernahme der Pfeilkreuzler Partei im Oktober 1944 wurden die Mitglieder von Leventer dem militärischen Strafgesetz unterstellt, und Zehntausende von Kindern wurden im Winter 1944/45 unter Androhung der Todesstrafe von ihren Eltern getrennt und nach Deutschland gebracht. (4) Der katholische Priester Mihály Kovács, der im Winter 1945 von seinem Bischof nach Norddeutschland geschickt wurde, um den notleidenden Jungen beizustehen, berichtet in seinem Buch, wie weinende Eltern an den Eisenbahnzügen standen. Einige versuchten, die Züge zu stoppen, um ihre Kinder zurückzuholen. (5)

In den deutschen Barackenlagern litten die verängstigten Kinder, die häufig keinen erwachsenen Betreuer hatten, an Unterernährung und Krankheiten. Am schlimmsten war es für die Kinder, die dem SS-Kommando in Deutschland unterstellt wurden und in den Krieg ziehen mussten. Sie wurden zwangsweise tätowiert und dadurch auch nach dem Krieg noch als SS-Freiwillige abgestempelt.

Mihály Kovács schätzt, dass von den 30.000 Jungen, die in den Krieg mussten, wohl einige Tausend in Dänemark landeten. Doch vermutlich war die Anzahl geringer und lag bei etwa 500. Wir wissen, dass im militärischen Barackenlager am Flugplatz Rom südlich von Lemvig ein Zug stationiert war, der ausschließlich aus Kindersoldaten bestand, etwa 200 an der Zahl (6), und die Jungen standen unter dem Kommando eines erwachsenen Führers namens István Szendrödy. In Vang und Klitmøller in Thy gehörten etwa 100 Jungen aus Pécs zur 5., 7. und 8. Kompanie des 91. Bataillons, dessen Kommandant Kapitänleutnant József Bánhidy war. In anderen Fällen waren die Jungen in kleineren Gruppen auf verschiedene Kompanien und Züge verteilt. Einer von ihnen war Otto Lenkei, Bataillon 90/II, der berichtet, dass er von deutschen Ausbildern geschult wurde, bevor er mit seiner Kompanie zu einem Bunker bei Nymindegab verlegt wurde, wo er gemeinsam mit den einfachen Soldaten beim deutschen Bewachungsdienst der Küste eingesetzt wurde. (7)

Es gibt so gut wie keine Informationen über die Bedingungen, unter denen die Jungen in Dänemark lebten, man kann jedoch vermuten, dass sie erträglicher waren als in Deutschland. Sie entgingen dem Gefecht, und es gab erwachsene Landsleute, die sie beschützten. Der Jüngste, von dem wir etwas wissen, war der 15-jährige Slezák Mihály, der im Barackenlager am Flugplatz Rom einquartiert war. Er starb am 11. April 1945, vermutlich durch eine Minensprengung. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof von Lemvig, doch ist der Grabstein so schlecht erhalten, dass man seinen Namen kaum lesen kann.

Fakten

Das 93. Ausbildungsregiment hatte sein Hauptquartier zunächst in Kopenhagen, später in Roskilde und umfasste fünf Bataillone mit schätzungsweise 5.000 Mann. Zwei dieser Bataillone, 93/I und 93/III, waren auf Fünen/Bornholm sowie in Nord-Seeland stationiert. Die drei übrigen Bataillone, 93/II, 93/V und 93/VI, waren bei Kriegsende in Hvalsø, Hørve/Sorø und Blovstrød auf Seeland stationiert.

Das 90 + das 91. Ausbildungsregiment hatten ihr Hauptquartier in Outrup in Westjütland und umfassten zwei halb bemannte Regimenter mit insgesamt vier Bataillonen, schätzungsweise 4.000 Mann. 90/I hatte sein Hauptquartier in Varde, 90/II in Nymindegab, 91/I in Ulfborg (später in Agerskov) und 91/II in Hurup (später in Thisted).

Das 2. Ingenieurregiment hatte sein Hauptquartier in Ølgod im Südwesten Jütlands und umfasste ein Bataillon, dessen Kompanien in Strellev und Lyne lagen.

Die 10. Artillerieabteilung hatte ihr Hauptquartier in Lemvig im Nordwesten Jütlands und bestand aus drei Batterien sowie einer Abteilung mit Kindersoldaten (Leventer). Einige von ihnen wurden später nach Südjütland verlegt.

Die 5. Artillerieabteilung hatte ihr Hauptquartier in Oksbøl in Westjütland und umfasste zwei Batterien in Oksbøl und Klinting.

Das 4. Radio- und Funkerbataillon lag abwechselnd im Lager Jægerspris im Nordwesten Seelands, Herning, Borris und Lønborg/Vostrup in Westjütland und bestand aus zwei Kompanien.

Das 3. Bataillon des 82. Regiments war in Hjørring und Dybvad in Nordjütland sowie in umliegenden Dörfern stationiert, während kleinere Einheiten in Sindal und Tolne lagen.

Eine Kavallerieschule für 150 Militärpersonen, darunter 55-60 Offiziersschüler, war auf dem Herrensitz Nysø bei Præstø und später auf Schloss Gaunø bei Næstved einquartiert.

1. Jens Otto Krag: Ung mand fra trediverne. Erindringer. Gyldendal 1969. Seite 190.
2. Palle Roslyng -Jensen: Russerne i Danmark 1943-1945. Jysk Selskab for Historie 1975-76. Seite 405.
3. Gemäß der Gemeindeeinteilung von 1970.
4. Gosztony: Endkampf an der Donau. Seite 110.
5. Kovács Mihály: Negyvenezer Magyar levente Kálváriája. Hrsg. Országos Pedagógiai Könyvtár És Múzeum, Budapest 1993.
6. Militärpfarrer János Pohly notiert in seinem Logbuch, dass er am 1. April 1945 in Rom einen Gottesdienst mit Kommunion für die Leventer hielt, an dem 224 Personen teilnahmen.
7. Otto Lenkeis Bericht vom 12. Februar 1994.

Von das Buch: Die ungarischen Soldaten: Eine vergessene Tragödie aus der deutschen Besatzungszeit Dänemarks. Søren Peder Sørensen. Museet for Varde By og Omegn. 2005

 

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